Kreatin und Haarausfall: Mythos Check

Kreatin Guide · Mythos-Check 7 Min. Lesezeit

Haarbürste mit vereinzelten Haarsträhnen auf weißem Marmor – Kreatin und Haarausfall: Der Mythos, der nicht stirbt und was die Wissenschaft wirklich zeigt

„Kreatin macht Haarausfall“ – dieser Satz kursiert seit Jahren in Fitnessforen, auf Social Media und in Supplement-Diskussionen. Er hält sich hartnäckig, obwohl die wissenschaftliche Grundlage dünn ist. Dieser Artikel erklärt, was wirklich hinter dem Mythos steckt.

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Woher kommt der Mythos?

Der Haarausfall-Mythos lässt sich auf eine einzige Studie zurückführen – veröffentlicht 2009 im Clinical Journal of Sport Medicine. Das ist die einzige Quelle, auf die sich fast alle Behauptungen zum Thema stützen. Was die Studie wirklich zeigte, und was sie nicht zeigte, sind zwei verschiedene Dinge.

Die Studie – was wirklich gemessen wurde

Was untersucht wurde: 20 Rugby-Spieler nahmen eine Woche lang ein Ladeprotokoll mit 25 g Kreatin täglich ein, gefolgt von 5 g täglich als Erhaltungsdosis.

Was gemessen wurde: DHT (Dihydrotestosteron) – ein Hormon, das bei genetisch veranlagten Menschen mit erblich bedingtem Haarausfall in Zusammenhang steht.

Was die Studie zeigte: Ein Anstieg des DHT/Testosteron-Verhältnisses in der Kreatingruppe gegenüber Placebo.

Was die Studie nicht zeigte: Haarausfall. Kein einziger Teilnehmer verlor während der Studie Haare. Haarausfall wurde überhaupt nicht gemessen.

Seitdem: Die Ergebnisse wurden in keiner unabhängigen Studie reproduziert.

DHT und Haarausfall – der Zusammenhang erklärt

Um den Mythos zu verstehen, muss man wissen was DHT ist. Dihydrotestosteron (DHT) ist ein Hormon, das aus Testosteron durch das Enzym 5-Alpha-Reduktase gebildet wird. Bei Menschen mit genetisch bedingtem erblichen Haarausfall (androgenetische Alopezie) kann DHT die Haarfollikel schrittweise verkleinern – ein Prozess der über Jahre läuft.

Der entscheidende Punkt: Nicht jeder Mensch reagiert auf DHT mit Haarausfall. Nur wer genetisch die entsprechende Veranlagung hat, ist betroffen. Kein DHT-Anstieg führt automatisch zu Haarausfall – die genetische Disposition ist die entscheidende Variable.

Die Kausalkette Kreatin → möglicherweise DHT-Anstieg (eine Studie, nicht reproduziert) → DHT bei genetischer Veranlagung → über Jahre Haarfollikel-Miniaturisierung → Haarausfall. Das sind vier Schritte, von denen nur der erste auch nur ansatzweise belegt ist – und selbst der steht auf dünnem Fundament.

Was die Forschungslage wirklich sagt

Kreatin ist eines der meistuntersuchten Nahrungsergänzungsmittel der Sportwissenschaft – mit Hunderten von Studien über Jahrzehnte. Keine davon hat Haarausfall als Nebenwirkung dokumentiert oder gemessen.

  • Die 2009er Studie war klein (20 Teilnehmer), kurz (3 Wochen) und maß keinen Haarausfall
  • Kein unabhängiges Labor hat den DHT-Anstieg seitdem reproduziert
  • Keine Langzeitstudie zu Kreatin erwähnt Haarausfall als beobachteten Effekt
  • Das Ladeprotokoll in der Studie (25 g täglich) entspricht nicht der üblichen Empfehlung von 3–5 g täglich
„Eine einzige kleine Studie, die keinen Haarausfall gemessen hat, ist die gesamte Grundlage dieses Mythos.“
Fazit der Datenlage

Es gibt keinen belegten kausalen Zusammenhang zwischen Kreatin-Monohydrat in empfohlener Dosierung und Haarausfall. Der Mythos basiert auf einer einzelnen nicht-reproduzierten Studie, die überhaupt keinen Haarausfall gemessen hat.

Wer genetisch zu erblichem Haarausfall neigt und trotzdem besorgt ist, kann auf Nummer sicher gehen und mit einem Arzt sprechen. Das gilt aber für alle Nahrungsergänzungsmittel, nicht spezifisch für Kreatin.

Warum hält sich der Mythos so hartnäckig?

Haarausfall ist ein Thema, das viele Menschen emotional beschäftigt. Wenn jemand mit der Einnahme von Kreatin beginnt und zeitgleich Haarausfall bemerkt, entsteht im Kopf ein kausaler Zusammenhang – obwohl erblicher Haarausfall ein schleichender Prozess ist, der unabhängig von Kreatin läuft.

Dazu kommt: Die 2009er Studie wurde vielfach zitiert und vereinfacht wiedergegeben. „Kreatin erhöht DHT“ wurde zu „Kreatin macht Haarausfall“ – ein Schritt, den die Studie selbst nie gemacht hat.

Was tatsächlich zu Haarausfall beiträgt Erblicher Haarausfall ist primär genetisch bedingt. Weitere belegte Einflussfaktoren: chronischer Stress, Mangelernährung (besonders Eisen, Zink, Biotin), starke Gewichtsabnahme, hormonelle Veränderungen und bestimmte Medikamente. Kreatin gehört nicht dazu.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Der Kreatin-Haarausfall-Mythos basiert auf einer einzigen Studie aus 2009 mit 20 Teilnehmern.
  • Diese Studie hat keinen Haarausfall gemessen – nur einen DHT-Anstieg, der seitdem nicht reproduziert wurde.
  • DHT führt nur bei genetisch veranlagten Menschen über Jahre zu Haarausfall – kein automatischer Zusammenhang.
  • Keine Langzeitstudie zu Kreatin dokumentiert Haarausfall als beobachteten Effekt.
  • Kreatin erhöht die physische Leistung bei aufeinanderfolgenden Schüben von kurzfristiger, hochintensiver Belastung.¹
  • Wer genetisch zu Haarausfall neigt und besorgt ist: mit einem Arzt sprechen – das gilt für alle Nahrungsergänzungsmittel.
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Häufige Fragen

Sollte ich Kreatin absetzen, wenn ich Haarausfall bemerke?

Das ist eine persönliche Entscheidung – aber die Datenlage gibt keinen wissenschaftlichen Grund für einen Zusammenhang. Erblicher Haarausfall ist ein schleichender genetisch bedingter Prozess. Wenn du Haarausfall bemerkst, lohnt ein Arztbesuch – unabhängig davon ob du Kreatin nimmst oder nicht.

Hat die 2009er Studie wirklich Haarausfall gemessen?

Nein. Die Studie von van der Merwe et al. (2009) hat ausschließlich Hormonspiegel gemessen – konkret das DHT/Testosteron-Verhältnis. Kein Teilnehmer verlor während der Studie Haare, Haarausfall wurde überhaupt nicht erfasst. Die Verbindung zu Haarausfall ist eine Interpretation, die die Studie selbst nicht macht.

Macht Kreatin bei Frauen auch Haarausfall?

Erblicher Haarausfall bei Frauen läuft über andere hormonelle Mechanismen als bei Männern und hat eine andere genetische Grundlage. Die 2009er Studie wurde ausschließlich mit männlichen Rugby-Spielern durchgeführt. Es gibt keine Studie die irgendeinen Zusammenhang zwischen Kreatin und Haarausfall bei Frauen zeigt. Mehr zu Kreatin für Frauen: vollständiger Guide →

Welche Nebenwirkungen hat Kreatin wirklich?

Bei gesunden Erwachsenen in empfohlener Dosierung (3–5 g täglich) gilt Kreatin-Monohydrat als gut verträglich. Die häufigste „Nebenwirkung“ ist intrazelluläres Wasser in den Muskelzellen – Muskeln wirken voller, die Waage zeigt mehr. Das ist kein Fett, kein subkutanes Wasser, kein aufgedunsenes Erscheinungsbild. Mehr dazu: Kreatin Wassereinlagerung erklärt →


Weitere Artikel

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Konsultiere einen Arzt bei Fragen zu Haarausfall oder vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln. Nicht geeignet für Personen unter 18 Jahren.

¹ Kreatin erhöht die physische Leistung bei aufeinanderfolgenden Schüben von kurzfristiger, hochintensiver Belastung.

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